Henry Moore

Monumentale Masse in beschaulicher Rheinidylle

Besuch einer Ausstellung:
Henry Moore – Vision, Creation, Obsession
Arp Museum Bahnhof Rolandseck, 28.05.2017 bis 07.01.2018

Auf den ersten Blick löst die blockhafte Massigkeit von Henry Moore´s monumentalen Großskulpturen, die in den Räumen des umgebauten klassizistischen Bahnhofs im rheinischen Rolandseck ausgestellt sind, Unbehagen aus. Das persönliche Kunstempfinden gerät aus dem Gleichgewicht. Moore selber bevorzugte immer die Landschaft als Ausstellungsort. Die Natur steht im ständigen Wechselspiel mit seinen organischen Skulpturen und ist in ihnen stets präsent. Die Berge und Felsen des heimatlichen Yorkshire boten ihm wichtige Inspiration und waren richtungsweisend für sein Schaffen. Doch nun in geschlossenen, wohltemperierten Museumsräumen – wie passt das zusammen?

Der Versuch, Moores künstlerische Entwicklung am Werk wichtiger Malerkollegen sowie den Werken des 19. Jahrhunderts in Frankreich oder der italienische Renaissance zu reflektieren, wie es zu Beginn der Ausstellung in der Kunstkammer Rau in der ersten Etage des Arp Museums geschieht, ist anspruchsvoll aber eher akademisch..

Erst auf den zweiten Blick erschließt sich dem Besucher der Ausstellung Moore´s  Maxime: die betonte Dreidimensionalität seiner großformatigen Skulpturen, stets in Korrespondenz mit Architektur zu sehen.

In einer Anhöhe, etwas versteckt hinter dem beschaulichen Bahnhofsgebäude, hat der New Yorker Stararchitekt Richard Meier ein Meisterwerk moderner Architektur verwirklicht, das über jede Kritik (und davon gab es zu Hauf in der Bevölkerung) erhaben scheint. Ein langgestreckter Tunnel, an dessen Ende 2 Aufzüge sanft nach oben gleiten (gut Durchtrainierte können auch die nicht enden wollende Treppe benutzen) verbindet den alten Rolandsecker Bahnhof mit dem neuen Gebäude.

Oben angelangt ist man überrascht und beeindruckt zugleich: Riesige, bodentiefe Fensterfronten öffnen ein Schaufenster in ein nahezu operettenhaftes Szenenbild. 180 Grad Landschaft mit Rhein, Siebengebirge und malerischen Orten. Rückseitig dann der Blick in eine unberührte Naturlandschaft mit grasenden Schafen.  Das ist die Bühne, auf der die monumentale Masse der von Moore geschaffenen Körperformen frei zu schweben scheint. Ein Ensemble aus fünf Riesenfiguren. Die Großplastiken scheinen sich mühelos in die lichtdurchfluteten Räume einzupassen – sie sogar zu kontrastieren. Ein überwältigender Anblick. Moore im Dialog mit der Architektur von Richard Meier.

Spätestens bei diesem Anblick ist das Gleichgewicht wieder hergestellt und die Erwartung an einen erlebnisreichen Museumsbesuch ist mehr als erfüllt.

Hier lesen Sie mehr über das Leben und Schaffen von Henry Moore:

HENRY MOORE – Sein Leben – sein Werk“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.