Heinrich Vogeler

Anlässlich des Todestages von Heinrich Vogeler, der sich am 14. Juni 2017 zum 75. Mal jährt, ist der heutige Beitrag diesem bedeutenden deutschen Künstler gewidmet, der als Maler, Grafiker, Buchillustrator, Architekt, Designer, Schriftsteller und Pädagoge – besonders durch seine Werke aus der Jugendstilzeit bekannt wurde.

Johann Heinrich Vogeler wurde am 12.12.1872 in Bremen geboren. Er verstarb am 14.06.1942 in Woroschilowsk, Kasachstan, nachdem er 1931 als Revolutionär in die Sowjetunion übersiedelt war.

Vogler profilierte sich zunächst als Vertreter von Symbolismus und Jugendstil (z.B. das hier gezeigte Werk: Verkündigung an Maria von 1901, Privatsammlung).

Nach dem Studium an der Düsseldorfer Akademie und Reisen durch Europa, siedelte er sich im Jahre 1894 in dem Heidedorf Worpswede bei Bremen an, wo er zusammen mit: Hans am Ende, Fritz Mackensen, Otto Modersohn und Carl Vinnen zu den Gründern und ersten Generation der „Künstlerkolonie Worpswede“ gehörte.

1895 und 1896 beteiligte er sich zusammen mit den anderen Worpsweder Künstlerfreunden an Ausstellungen im Münchener Glaspalast und zeichnete für die Zeitschrift „Insel“.

Durch die Kriegerlebnisse ernüchtert, brach der etablierte Vogeler, sensibler Schöpfer der Güldenkammer des Bremer Rathauses, und Formgeber feinster Möbeln im Jugendstil, die die Salons der Bremer Bürgerhäuser schmückten, offen mit der von ihm praktizierten Kunstrichtung, die ihn berühmt gemacht hatte.

In seiner Schrift „Proletkult“ veröffentlichte er u.a. den Satz (Zitat):

„Wie in der Kunst der Jugendstil die unfruchtbare, nur Verwesungsvorstellungen hinterlassene Vergewaltigung der Natur war, so ist auch der Weltkrieg der verzweifelte wilde Versuch, die wahre schöpferische Natur des Menschen zu einer alles zerstörenden Macht umzuwandeln.“

1918 wurde er  Mitglied des Osterholzer Arbeiter- und Soldatenrats und stellte sein Worpsweder Wohnhaus, den  ‚Barkenhoff‘ als Schulungsort zur Verfügung.

Ab 1923 wurde der „Barkenhoff“ ebenfalls von der Internationalen Roten Hilfe als Kinderheim genutzt, nachdem der Arbeiterbewegung in eine finanzielle Notlage geriet.

Bekannter geworden ist der „Barkenhoff“ (norddeutsch für „Birkenhof) jedoch als „Kristallisationspunkt der Künstlerkolonie“, wo man, wie der Malerfreund Otto Modersohn schwärmte, „unvergessliche Sonntage bei Vogeler“ verbrachte, „von Musik und literarischen Erzeugnissen auf die schönste Weise verklärt“ (Zitat).

Die damaligen „Barkenhoff-Fresken“ – realistische Bilddokumentationen zu den Ereignissen von 1918 –  worüber der Schriftsteller Thomas Mann schrieb (Zitat)::„Diese Bilder… versinnbildlichen mit großer Inbrunst… einen Mythos, dem man aus eigenem Glauben nicht anzuhängen braucht, um ihn religiös zu respektieren…, den Mythos von der Erlösung der Welt, der unterdrückten Klassen und Völker durch die proletarische Revolution.“ – wurden 1926 auf behördliche Anordnung durch Hitlers braune Gehilfen von den Wänden gehakt und mutwillig zerstört.

1931 übersiedelte Vogler in die Sowjetunion, wo er sich zum Sozialistischen Realismus hin entwickelte. Nachdem Hitlers nationalsozialistischen Truppen auf Moskau zu marschierten wurde er von den Sowjets noch gerade rechtzeitig in einem Viehtransport zwangsdeportiert, wie viele andere in die Sowjetunion übersiedelte Deutsche. Vogeler stand auf der Erschießungsliste der SS-Schergen, nachdem er zuvor über das sowjetische Radio seinen Landsleuten noch hatte zurufen können:

„Ich lebe und arbeite heute in Sowjet-Russland. Hier habe ich die Möglichkeit, meine Kunst auszuüben. Die mordenden und raubenden Hitler-Gangster ziehen inzwischen von Land zu Land und zerstören die Kultur. Deutscher Künstler, für dich gibt es nur eins: Entfalte deine ganze Kraft, um den Hitler-Faschismus zu vernichten.“

Heinrich Vogler verstarb unter erbärmlichsten Umständen am 14.06.1942 in Woroschilowsk, Kasachstan. Seine einstigen Künstlerfreunde, denen die „roten Schwärmereien“ immer äußerst suspekt waren, überließen ihn bis zu seinem Tod der völligen Einsamkeit und Armut.

In seinem Artikel:

„Zurück zur Vernunft: Tendenzen der Neuen Sachlichkeit“, der dem Inhalt des Buches: „Die Malerei des 20. Jahrhunderts“ entnommen ist, reflektiert der Kunsthistoriker Gottlieb Leinz das Umfeld des damaligen Zeitgeistes an Malern wie:  Conrad Felixmüller, George Groz, Otto Nagel, Käthe Kollwitz, Christian Schad, Grant Wood, Edward Hopper und Dick Ket.

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BEBILDERTER ARTIKEL „Zurück zur Vernunft“

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BUCH INFORMATION: Die Malerei des 20. Jahrhunderts

Sämtliche Abbildungen dieses Beitrags und einige Textpassagen sind mit Genehmigung des Verlages: MPI Books, Amstelveen, NL., dem Werk: Lexikon der Kunst (dtschspr. Lizenzausgabe bei Herder Verlag, Freiburg und Karl Müller Verlag Erlangen, 1994) entnommen.

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